Welche Angebote und Strukturen erhalten arbeitslose Menschen gesund?
Die Veranstaltung „Fit for Work“ wird in diesem Jahr zum achten Mal ausgetragen. Die Veranstalter nehmen dies zum Anlass für eine Reflexion über die Strukturen und Prozesse der Arbeitsmarktpolitik, die direkt und indirekt Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Dabei soll der Frage nachgegangen werden: Halten diese Angebote und Strukturen den Menschen gesund? Und wenn nicht, dann ist zu fragen, was geändert werden muss. Diese Fragestellung erscheint vor dem Hintergrund der in 2010 begonnenen Kampagne der Bundesagentur für Arbeit zur Gesundheitsorientierung bedeutsam.
Mit der Kampagne „Gesundheitsorientierung“ verbinden sich darüber hinaus eine ganze Reihe noch offener Fragen, u.a.: Wie grenzen sich Maßnahmen der BA von denen der GKV ab, d.h. wo hören die einen auf und wo beginnen die anderen? Wie können solche Maßnahmen sinnvoll und auf der Basis des jeweiligen gesetzlichen Auftrags der beiden Akteure abgegrenzt werden? Wie kann sichergestellt werden, dass die Maßnahmen in einem abgestimmten und koordinierten Prozess durchgeführt werden? Wie kann analog zum GKV-Leitfaden Prävention ein ähnlicher Qualitätskatalog für die Leistungen der BA entwickelt werden? Das Forum „Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung“ hat Anfang des Jahres einen Vorschlag zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Bundesagentur für Arbeit und Gesetzlicher Krankenversicherung vorgelegt, der aktuell in den Gremien der beiden Systeme beraten wird.
Die Veranstalter haben für die Hauptreferate Vortragende aus ganz unterschiedlichen Disziplinen eingeladen, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. In der folgenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik und Verwaltung sollen deren Hinweise aufgegriffen und diskutiert werden. Abgerundet wird das Programm wie gewohnt mit drei parallelen Workshops aus der Praxis für die Praxis.
Sie finden das Programm mit den Zusammenfassungen der einzelnen Beiträge und mit den Präsentationen hier.....
Broschüren zu diesem Themenbereich die auch vor Ort ausgelegt waren finden Sie hier....
Bericht über die gesamte Tagung:
Der Supertanker BA kommt langsam auf Kurs – doch nicht für alle Probleme sind Lösungen in Sicht
Die 7. Tagung des DNBGF-Forums Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung "Fit for Work" am 20. September 2010 in Essen lieferte ein vielschichtiges Bild der aktuellen Situation. Auf der einen Seite wurde deutlich, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Bedeutung der Gesundheitsorientierung bei der Betreuung von Arbeitslosen erkannt hat und in ihr Leistungsprofi integriert. Andererseits zeigten Praktiker wie Wissenschaftler auf, vor welchen enormen Hürden Gesundheitsförderung von Langzeitarbeitslosen noch steht und auf absehbare Zeit stehen wird. Immerhin, dafür stehen die Rekordzahl von über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und das einmütige Bekenntnis aller Referenten zum Handeln, ist das frühere Randthema der Gesundheitsförderung jetzt ganz oben auf der Agenda angekommen.
Trotz der professionellen und konstruktiven Atmosphäre im Plenum wie in den Workshops wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven von Teilnehmern wie Vortragenden waren. Vertreter von BMAS und BA signalisierten sehr glaubhaft: „Wir haben verstanden und sind jetzt auf dem richtigen Weg“. Praktiker und Wissenschaftler verwiesen allerdings auch auf Erfahrungen und Erkenntnisse, die zeigen, wie groß die Aufgabe ist.
Die Grundlage für diese Diskussion legte der Einführungsvortrag der Arbeits- und Organisationspsychologin Prof. Dr. Gisela Mohr. Sie konzentrierte sich auf das Problem der psychischen Erkrankungen von Arbeitslosen, die nachweislich durch die Arbeitslosigkeit ausgelöst und verstärkt werden. Deshalb sei es eine zentrale Aufgabe, diese Erkrankungen so früh wie möglich zu erkennen und professionell zu behandeln. Doch für beides fehlen nach Prof. Mohr bislang Fähigkeiten und Ressourcen, auf Seiten der Arbeitsmarktintegration wie auf Seiten des Gesundheitswesens. So habe eine Studie gezeigt, dass 18 Prozent der untersuchten männlichen Langzeitarbeitslosen und 24 Prozent der weiblichen unter einer behandlungsbedürftigen Depression litten, aber kein einziger Mann und nur die Hälfte der Frauen entsprechend behandelt wurden.
Es geht aber nicht nur, so Prof. Mohr, um akute Depressionen. Tatsächlich treten bei Arbeitslosen alle psychischen Probleme häufiger auf als in der Erwerbsbevölkerung. Damit gehe ein Verlust der Fähigkeiten einher, die für den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben notwendig sei. Die gute Nachricht aus ihrer Sicht: Diese Probleme lassen sich heute gut behandeln. Nur: Werden sie nicht erkannt, was heute zu häufig der Fall sei, droht eine Chronifizierung, die die Behandlung erschwert und zudem deutlich aufwändiger und für die Krankenkassen teurer macht.
Doch selbst wenn psychische Störungen frühzeitig erkannt würden: Aufgrund der zu geringen Ressourcen sei es für Arbeitslose nahezu unmöglich, schnell professionelle Hilfe von Therapeuten und Psychologen zu bekommen. Es gibt schlicht zu wenige, lange Wartezeiten seien nicht die Ausnahme, und Langzeitarbeitslose gehören nicht zu den Patienten, die bevorzugt Termine bekommen. Prof. Mohr schlug daher vor – und diese Idee stieß auf Zustimmung – dass für die Behandlung der Zielgruppe Kontingente bereit gestellt werden, die z.B. vom Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtbevölkerung abgeleitet werden.
Außerdem verwies die Psychologin auf ein weiteres Problem, das das Erreichen gesundheitlicher Ziele und erst recht die Reintegration in den Arbeitsmarkt erschweren könnte: Die Mitarbeiter der Arbeitsverwaltung sind erfolgreich, wenn sie vermitteln. Wenn aber der Vermittlungsdruck auf die Arbeitslosen zu groß wird, bedeutet das ebenfalls eine psychische Belastung, mit der viele Mitglieder der Zielgruppe nicht umgehen können oder ihren Zustand noch verschlimmert. Wenn dann die Meldung gesundheitlicher Probleme, wie es Dr. Alfons Hollederer vom nordrhein-westfälischen Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA.NRW) befürchtet, im Rahmen der „Missbrauchsbekämpfung“ auf breiter Ebene in Frage gestellt würde, könne das den notwendigen offenen Umgang mit gesundheitlichen Problemen konterkarieren.
Dieser Problembeschreibung setzten Vertreter der Bundesregierung und der BA eine Prozessbeschreibung entgegen. Dass Gesundheitsorientierung bei der Betreuung mit Arbeitslosen eine zentrale Rolle spielen muss, die systematisches Vorgehen erfordert, steht auch aus ihrer Perspektive außer Frage. Zugleich machten Beate Kostka von der BA wie ihre Kollegen in den Workshops aber auch deutlich, dass es sich dabei um eine noch neue Aufgabe für die Mammutbehörde handelt. Zum einen habe man erst durch eine Instrumentenreform neue Möglichkeiten für eigene Aktivitäten und Fördermöglichkeiten erhalten; zum anderen dürfe man nicht vergessen, dass der Geschäftsauftrag der BA die Vermittlung von Arbeitslosen ist, also Gesundheitsorientierung ein notwendiges, aber eben nur unterstützendes Instrument sein könne.
Immerhin: Die Nachricht, dass nun bei von der BA durchführten oder geförderten Programmen und Maßnahmen bis zu 20 Prozent auf Gesundheitsorientierung entfallen können, war für viele Teilnehmer neu und muss gegenüber der bisherigen Praxis als Quantensprung bezeichnet werden. Denn damit kommen bei mehrmonatigen Maßnahmen Kontingente von bis zu 200 Stunden zu Stande, die bislang selbst in Modellprojekten nicht zur Verfügung standen. Das Angebot der Krankenkassen, max. 2 Präventionskurse im Jahr mit jeweils 8 bis 12 Einheiten à 45−90 Minuten (§ 20 SGB V), wirkt dagegen fast bescheiden. Während die Krankenkassen für ihre Angebote Qualitätskriterien defininiert haben (s. Leitfaden Prävention), gibt es Vergleichbares bei der BA nicht, was viele erstaunte.
Dann allerdings kommt es besonders darauf an, diejenigen zu erreichen, die die Unterstützung am dringendsten benötigen. Denn laut Prof. Mohr gibt es hier ein ähnliches Problem wie auf anderen Feldern der Gesundheitsförderung: „Teilnehmer von Maßnahmen sind häufig eine „Positivauswahl“, diejenigen, die noch Initiative, ausreichend Selbstwertgefühl, keine großen Versagensängste haben!“
Menschen mit den vielfältigen Problemlagen sind allerdings meist weit von der Wiedererlangung der Beschäftigungsfähigkeit entfernt und brauchen besonders intensive Unterstützung gerade auch bei gesundheitlichen Fragen. Weil das langfristig Erfolg versprechend sei, hätten hier Maßnahmen eine Berechtigung, die vorrangig auf die Verbesserung der Gesundheit und die Verminderung anderer Problemlagen zielen. Dabei handele es sich um langfristige Prozesse mit entsprechend langfristiger Vermittlungsperspektive. Das verweist auf eine besondere Problematik: Denn zum einen sind die Arbeitsagenturen / JobCenter die einzige zwangläufige Anlauf- und damit Kontaktstelle für Arbeitslose, andererseits lässt deren Auftrag ausschließlich gesundheits- und persönlichkeitsorientierte Fördermaßnahmen nicht zu. Hier müssen zweifellos neue Lösungsansätze gefunden werden.
Kooperation von Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung als zentrale Herausforderung
Große Finanz- und Wirtschaftskrisen hinterlassen nicht nur bei Unternehmen Spuren, sondern vor allem in der Belegschaft - „arbeitslos und krank“ umschreibt somit kurz und knapp ein aktuelles Klientel der neuen Bundesregierung. Weil Arbeitslosigkeit die Gesundheit beeinträchtigt und gesundheitliche Beeinträchtigungen die Beschäftigungsfähigkeit vermindern, ist die Gesundheitsförderung für arbeitslose Menschen ein besonders wichtiges Thema. Entsprechend groß war das Interesse an der diesjährigen 6. Tagung des DNBGF-Forums Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung zum Thema „Fit for Work“, am 7. Oktober 2009 beim BKK-Bundesverband in Essen. Rund 130 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Praxis und Politik setzten sich in Vorträgen und Workshops engagiert damit auseinander, was Arbeitslosigkeit und unsichere Beschäftigungsverhältnisse physisch und psychisch für die Betroffenen bedeutet, welche unterschiedlichen Ansätze sich in der Praxis bereits darin bewähren, Arbeits- und Gesundheitsförderung effektiv miteinander zu verzahnen, und welche gesetzlichen Rahmenbedingungen und organisatorische Strukturen möglich und nötig sind, um entsprechende Angebote in die Regelversorgung zu integrieren.
MP3 mit Wortlaut des Vortrags von Prof. Rosenbrock
Bericht über den Beitrag von Professor Rolf Rosenbrock
Bericht über den Beitrag von Dr. Rolf Schmachtenberg
Bericht über den Beitrag von Christian Klemp
Bericht über den Beitrag von Andrea Fritzsche
Gesundheitsdefizite und -bedarfe bei Arbeitslosen | |||
Arbeitsförderung mit Gesundheitsorientierung – Aktuelle Entwicklung in der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) | |||
Beschäftigungspakt Perspektive 50+ - Ansatzpunkte für die Implementierung von Gesundheitsförderung |
WS 1 Verknüpfung von Gesundheits- und Arbeitsförderung aus Sicht von „kommunalen Trägern der Grundsicherung für Arbeitslose“ |
WS 2 Beschäftigungspakt 50+ |
WS 3 Kooperationen zwischen ARGEn und Krankenkassen |
Gesundheitsprobleme und Präventionsmöglichkeiten bei Arbeitslosen
Rolf Rosenbrock: „Offener Suchprozess nach effektiven Maßnahmen“
Vor fünf Jahren konstatierte Prof. Rolf Rosenbrock, dass bei sozial Benachteiligten – und damit auch bei Arbeitslosen, mit „weiteren relativen und absoluten Verschlechterungen der Gesundheitschancen zu rechnen“ sei. Kassengetragene Prävention balanciere vor diesem Hintergrund auf dem Grat zwischen Alibiveranstaltung und Thematisierungs-Treibsatz.
Seitdem haben sich die Kassen, nicht zuletzt die BKK, geschickt und mit Erfolg auf diesem Grat voranbewegt: Sie haben Projekte gefördert und zugleich klar gemacht, dass es sich um Modelle handelt, die eben nicht als Alibi für andere Institutionen dienen können; und sie haben es geschafft, das Thema tatsächlich auf die Agenda zu bringen und seine Bedeutung zu vermitteln. Statt einer Warnung vor „Alibiveranstaltungen“ konnte Prof. Rosenbrock bei „fit for work“ deshalb konkrete Erkenntnisse und Aufgaben in den Mittelpunkt seines Vortrags rücken. Und obwohl er zwangsläufig über Schwierigkeiten und Defizite sprach, verwies er auch auf einen Schlüssel zum Erfolg: Die Verbindung von Arbeitsförderung, Gesundheitsförderung, tertiärer Prävention und Rehabilitation.
Als Leiter der Forschungsgruppe Public Health beim Wissenschaftszentrum Berlin und Mitglied des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen legte er seinen Blick aber nicht nur auf die nach Auffassung von Experten Erfolg versprechenden Herangehensweisen. Zu Beginn seines Referats erläuterte er auch die empirisch erwiesenen Zusammenhänge zwischen Beschäftigungsverhältnis und Gesundheitszustand, denn auch die hierbei existierenden Interdependenzen stellen eine besondere Herausforderung des Themas „Gesundheitsförderung für Arbeitslose“ dar.
Um die spezielle Gesundheitsproblematik Arbeitsloser zu verdeutlichen, nutzte Rosenbrock eine anschauliche Formel: „Die Gesundheitschancen eines Menschen ergeben sich aus der Balance zwischen seinen Gesundheitsressourcen und seinen Gesundheitsbelastungen. Werden Ressourcen gering und die Belastungen hoch, sinken die Chancen.“
Genau das sei bei Arbeitslosen der Fall: Zum einen führe der Mangel an Beschäftigung zu einem Verlust an Teilhabe: Den Betroffen fehlt eine Sinn gebende Tätigkeit sowie die durch Arbeit erzeugten sozialen Bezüge, Zeitstrukturen und finanziellen Möglichkeiten. Zum anderen gelte es als erwiesen, dass mit Arbeitslosigkeit die Gefahr zu riskantem beziehungsweise ungesundem Verhalten steigt, also zum Beispiel dass Arbeitslose mehr rauchen und Alkohol trinken oder sich schlechter ernähren, weniger bewegen und weniger Gesundheitsangebote in Anspruch nehmen.
Konsequenz: Das Erkrankungsrisiko steige mit Dauer der Arbeitslosigkeit, mit Ende der Versicherungsleistungen und bei sinkendem sozial-ökonomischem Status. Aus dieser speziellen Problematik lasse sich der generelle Handlungsbedarf ableiten. „Weil Arbeitslosigkeit und Krankheit in einem wechselseitigen Verhältnis stehen (Negativspirale), müssen Interventions-Maßnahmen vor allem zum Ziel haben, die gesundheitlichen Ressourcen zu erhöhen“, so Rosenbrock.
Das heißt: Betroffenen muss zuerst geholfen werden, mit ihrer akuten Situation zurecht zu kommen und ein Bewusstsein für ihre persönlichen Gesundheitsprobleme und -gefahren zu entwickeln. Erst dann könne man ihnen mit hinreichenden Erfolgsaussichten zeigen, welche Angebote sie wahrnehmen können und wie sie im eigenen Sinne etwas für ihre Gesundheit tun können.
Im Prinzip gehe es darum, die mit Arbeitslosigkeit verbundenen Gesundheitsprobleme „kompensatorisch zu vermindern“. Damit würde eine entscheidende Voraussetzung zur Überwindung der Arbeitslosigkeit verbessert. Allerdings zeige sich in der Praxis das Problem, gibt Prof. Rosenbrock zu bedenken, das erfolgreiche Gesundheitsförderung auf dem Prinzip der freiwilligen Teilnahme basiere. Das treffe bei Angeboten für Arbeitslose nur bedingt oder in der subjektiven Wahrnehmung gar nicht zu, solange sie im Rahmen der Arbeitsmarktintegration erfolgen. Dafür steht schon deren Prinzip, bei dem jedem „Fördern“ immer gleich ein „Fordern“ angeschlossen wird.
Doch nicht mögliche Akzeptanzprobleme sind für Prof. Rosenbrock derzeit das größte Problem. Aus Sicht des Wissenschaftlers gibt es nämlich zur Effektivität von Maßnahmen der Gesundheitsförderung Arbeitsloser bisher kaum empirisch valides Wissen gibt. „Zur Wirksamkeit von Interventionsmöglichkeiten befinden sich Wissenschaft und Praxis vielfach noch in einem offenen Suchprozess, und je komplexer das Modell bzw. der Interventions-Ansatz, desto schwerer sind Effekte zu evaluieren.“
Zumal es für Arbeitslose ja kein einheitliches homogenes Setting gebe, auf dessen Grundlage sich Strategien entwickeln lassen. Man verfüge bei der Arbeit mit der Zielgruppe immer nur über „einzelne Bestandteile, die den jeweiligen Sozialzusammenhang konstituieren“, Gemeinsamkeiten in den Interventionsgruppen erschöpfen sich also etwa in einer regionalen Zugehörigkeit, in bestimmten Lebenslagen oder bestimmten Werten. Als Hilfskonstruktion zur Überwindung dieses Dilemmas schlug ein Tagungsteilnehmer vor, Teilzielgruppen zu definieren, bei denen die Arbeitslosen nach Branchen, Berufsgruppen oder bestimmten biografischen Merkmalen zusammengefasst werden.
Da Gesundheitsförderung für Arbeitslose natürlich nicht zu den Akten gelegt werden kann, bis die Wissenschaft valide und empirisch haltbare Daten vorlegt, empfiehlt Rosenbrock, die Maßnahmen zu wählen und fördern, bei denen es zumindest eine theoretische und empirisch gestützte Basis für die Annahme ihrer Wirksamkeit gibt. Als Beispiel nannte er die so genannten „promising interventions“, die auf Erfahrungen in ähnlichen Settings aufbauen und eine Übertragbarkeit als plausibel erscheinen lassen – wobei natürlich eine entsprechende Qualitätssicherung gewährleistet sein müsse.
Doch auch wenn klare Handlungsempfehlungen aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht machbar sind, nachweislich erfolgreiche Maßnahmen nicht vorgeschlagen werden können, die notwendigen Rahmenbedingungen und Verantwortlichkeiten liegen aus Sicht des Professors auf der Hand: „Da Arbeitslose grundsätzlich schwerer erreichbar und motivierbar sind als Mitarbeiter eines Betriebs, steigen die Erfolgschancen gesundheitsförderlicher Maßnahmen, wenn sie eng mit der Arbeitsförderung verzahnt und mit Tertiärprävention und Rehabilitation verbunden sind.“
Allerdings sollte hier nicht nur reaktiv vorgegangen werden: Man sollte möglichst schon vor oder bei Eintritt der Arbeitslosigkeit intervenieren und dabei den Zugangsweg über die Arbeitsagenturen beziehungsweise Träger der Fort- und Weiterbildung suchen und das Gebot der Freiwilligkeit strikt beachten. Erleichtert würde dies durch eine explizite Verankerung des Präventionsgedankens in SGB II und SGB III sowie durch eine bessere Koordination zwischen den Arbeitsagenturen, den zur Prävention verpflichteten Krankenkassen und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst.
Dass diese Präventionsanstrengungen aus seiner Sicht wenn schon keine Alibiveranstaltungen, so doch nur Notlösungen sind, machte dann aber die letzte Aussage seines Vortrags deutlich. Die wirksamste Primärprävention ist für Prof. Rosenbrock nichts weniger als „Vollbeschäftigung bzw. (Re-)Integration in den ersten Arbeitsmarkt“.
Aktuelle Entwicklungen in der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II)
Arbeitsförderer haben die Notwendigkeit der Gesundheitsförderung erkannt
Der Vortrag von Dr. Rolf Schmachtenberg wurde bei der diesjährigen Tagung des DNBGF-Forums „Fit for Work“ mit Spannung erwartet. Doch trotz der bei allem Problembewusstsein konstruktiven Ausführungen des Leiters der Unterabteilung für Arbeitsförderung, Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung für Arbeitssuchende im Bundesministerium für Arbeit und Soziales war die aus Sicht der Gesundheitsförderung wichtigste Botschaft, dass die frühere „Gesundheit ist nicht unsere Baustelle“- Haltung der Arbeitsvermittlung nun definitiv der Vergangenheit angehört: Arbeitsförderer, das machte Schmachtenberg unmissverständlich deutlich, haben die Relevanz der Gesundheit bei der Arbeitssuche erkannt – und mittlerweile auch konkrete Pläne, wie sie künftig „Arbeitsmarktförderung mit offenem Blick auf Gesundheitsförderung“ betreiben wollen.
Dass die Thematik erst langsam die Aufmerksamkeit erlangt, die ihr eigentlich zusteht, könnte zum einen daran liegen, dass man die Statistik aufmerksam lesen muss, wie Schmachtenberg erläuterte. Denn zur Zielgruppe gehören nicht nur die 3,5 Millionen offiziell Arbeitslosen mit rund 1 Millionen Langzeitarbeitslose. So wie das DNBGF-Forum ausdrücklich auch die von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen einbezieht, verwies auch der Ministeriumsvertreter auf die rund 1,5 Mio. Menschen, die aufgrund der aktuellen Wirtschaftsage zurzeit Kurzarbeit leisten und sich somit in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen befinden. Hinzu kämen rund 4,9 Millionen Menschen erwerbsfähig Hilfebedürftige sowie viele Menschen aus den derzeit etwa 3,5 Millionen Bedarfsgemeinschaften.
Die Relevanz der Gesundheitsförderung werde durch aktuelle Befragungen unterstrichen: „Eine Panelstudie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung mit rund 24.000 Teilnehmern ergab, dass Gesundheit einer der wichtigsten Indikatoren für eine erfolgreiche Eingliederung in den Arbeitsmarkt ist– vorausgesetzt natürlich, es gibt Arbeitsplätze.“, berichtet Schmachtenberg. Damit wächst der Handlungsdruck bzw. wachsen die Handlungsanreize für erfolgsorientierte Arbeitsvermittler deutlich, denn augenscheinlich hat der Gesundheitszustand mehr Einfluss auf Vermittlungserfolge als zum Beispiel die formale Qualifikation, soft skills, Anzahl der Bewerbungen oder Konzessionsbereitschaft.
Deshalb habe die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Fachkonzept mit sieben verschiedenen „Handlungsfeldern“ entwickelt, in dessen Zentrum der Vermittlungsprozess steht und in dem Gesundheit als notwendige Qualität gesehen wird. Schlüssel zum Erfolg sei dabei die Qualität des Fallmanagements (Handlungsfeld 1). Dazu nutzt die BA seit August 2009 als neues Instrument ein „4-Phasen-Modell der Integrationsarbeit“. Ziel sei hier, dass vom Profiling über die Zielsetzung und Entwicklung einer Strategie bis zur Umsetzung der Arbeitsvermittlung „vermittlungsrelevante gesundheitliche Einschränkungen Beachtung“ finden sollen, und zwar „nach individueller Bedarfslage ohne schematische Betrachtung“ – schließlich ist kaum etwas so individuell, wie der Gesundheitszustand bzw. die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen.
Dieses Vorgehen könne aber nur erfolgreich sein, wenn weitere Handlungsfelder professionell bearbeitet werden. Mit seiner Forderung, erfolgreiche Praxis, etwa aus Projekten wie JobFit, AmigA oder DiMa, effektiv zu verbreiten (Handlungsfeld 2), verband er ein indirektes Lob der Gesundheitsförderer, die diese Projekte entwickelt und erprobt haben - und relativierte zugleich Probleme des Mangels an evaluierten Instrumenten. Drittens, auch damit wird ein theoretisches Problem funktional umschifft, könne man die Grundsicherungsstelle als Setting definieren und nutzen, hier kommen zum Beispiel die motivierenden Gesundheitsgespräche ins Spiel, und so auch der Schlüsselrolle der Arbeitsförderung gerecht werden. Handlungsfeld 3).
Viertens sollten Leistungen der Krankenkassen nach § 20 SGB V in Betracht gezogen werden, allerdings ohne damit Doppelstrukturen zu erzeugen. Allerdings machte er auch klar, dass die Krankenkassen dann gefordert seien, die bereit gestellten Mittel von derzeit 2,82 Euro pro Versichertem bedarfsgerecht auszugeben (Handlungsfeld 4). Fünftens gelte es, die Angebote nach § 16a SGB II stärker zu nutzen und die kommunalen Eingliederungsleistungen zu erhöhen (Handlungsfeld 5). Wozu allerdings der Hinweis kam, dass die Kommunen jeder finanziellen Beanspruchung zumindest sehr skeptisch gegenüber stehen.
Darüber hinaus plane man, den ärztlichen und psychologischen Dienst der BA zwecks Begutachtung, Beratung und Schulung stärker zu nutzen (Handlungsfeld 6) sowie Fachverantwortliche für Gesundheitsorientierung einzurichten (Handlungsfeld 7). Um die Struktur- und Netzwerkarbeit zu koordinieren, ohne Sonderstrukturen zu kreieren, wolle man die Arbeitsvermittler gezielt qualifizieren (Pflichtmodul: Gesundheitsförderung im beschäftigungsorientierten Fallmanagement).
Auch wenn gerade die letzten Punkte einigen Vorlauf benötigen dürften, letztlich soll dieses Modell dazu beitragen, das auch von Rolf Schmachtenberg erkannte „akute Koordinierungsproblem“ aus dem Weg zu schaffen und so zu verhindern, dass Leistungsbezieher mit diversen Ansprechpartnern zusammenarbeiten müssen. Die Herausforderung bestehe darin, die rechtlichen Zuständigkeiten (z.B. § 20 SGB V, § 16a SGB II, Reha, Instrumente SGB II und III) besser abzustimmen – die auf der Tagung präsentierten Praxisbeispiele zeigen allerdings, dass das sehr wohl möglich ist.
Um trotz der tatsächlichen oder auch nur befürchteten Hürden mittelfristig die „praxisnahe Verzahnung von Gesundheitsförderung und Eingliederung in den Arbeitsmarkt“ zu erreichen, wurde Anfang 2009 der „Arbeitskreis Gesundheitsförderung SGB II“ ins Leben gerufen, der dafür sorgt, dass mögliche Wissens- und Erfahrungsdefizite der Arbeitsvermittler durch berufene Partner ausgeräumt werden. In dem Arbeitskreis arbeiten Vertreter der Bundesagentur für Arbeit mit Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung,, dem Bundessozialministerium sowie diversen Gesundheits- und Hilfs-Verbänden und kommunalen Diensten zusammen. Noch in diesem Jahr, am 4.November, werde das Fachkonzept der Bundesagentur inklusive der Erkenntnisse des Arbeitskreises in einem Fachgespräch in Nürnberg diskutiert, und für das kommende Jahr ist Fach-Tagung zum Thema schon beschlossen.
Arbeitsintegration und Gesundheitsförderung aus Sicht eines SGB II-Trägers
Klemp: Strukturen schaffen und Gesundheit bedarfsorientiert fördern
Christian Klemps Vortrag zur diesjährigen Tagungs des DNBGF-Forums „fit for work“ wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Der Projektleiter des regionalen Beschäftigungspakts Perspektive 50plus (für Arbeitslose ab dem 50.Lebensjahr) berichtete, wie er die Arbeitsförderung mit gesundheitsbezogener Ausrichtung (AmigA) im baden-württembergischen Ortenaukreis mit 80 Teilnehmern zielgruppenspezifisch umsetzte – und welche Faktoren dabei hemmend und welche fördernd wirkten.
„Bereits in der ersten Programmphase unseres Beschäftigungspakts von 2005 bis 2007 haben wir gesundheitliche Einschränkungen als wesentliches Vermittlungshemmnis in der Zielgruppe anerkannt und das Ziel einer arbeitsmarktintegrativen Gesundheitsförderung abgesteckt“, erklärte Klemp. Die Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern und somit die Integrationsfähigkeit zu fördern galt somit als gleichrangiges Ziel zur eigentlichen Integration in den Arbeitsmarkt.
Dazu entwickelte man zunächst ein Mischmodell für die Projektträgerschaft sowie eine Finanzierung über Projektmittel. Anschließend wurde das regional verfügbare Angebot an Maßnahmen der Gesundheitsförderung in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung, Stressbewältigung und Suchtprävention systematisch erfasst. Und es wurde festgelegt, dass die persönlichen Ansprechpartner der Arbeitslosen den Betroffenen den Zugang zu Angeboten der Gesundheitsförderung aufzeigen bzw. vermitteln sollten.
In der zweiten Programmphase im Jahr 2008 wurde schließlich die Optionskommune als Projektträger gewählt, Anzahl und Inhalte des Präventionsangebotes erweitert und die Integration von Maßnahmen der Gesundheitsförderung in Angebote der Beschäftigungsträger vorangetrieben. „Bereits hier zeigte sich allerdings, dass Arbeitslose für Gesundheitsthemen nicht so leicht zu erreichen sind und Angebote nur dann akzeptiert und freiwillig wahrgenommen werden, wenn sie dem individuellen Bedarf entsprechen“, berichtete Projektleiter Klemp.
Darum habe man die Zielgruppe bei der Einführung der Arbeitsförderung mit gesundheitsbezogener Ausrichtung (AmigA) im Jahr 2009 noch enger definiert: Die Angebote sollten sich an arbeitslose ALG II Empfänger mit „mehrschichtigen vermittlungsrelevanten gesundheitlichen oder psychosozialen Einschränkungen aus dem Projekt 50plus“ richten. Für die praktische Umsetzung wurde ein Netzwerk von Leistungserbringern im Bereich Arbeitsmarkt und Gesundheit geflochten, zudem wurden verbindliche Kooperationsvereinbarungen mit Leistungsträgern der Gesundheitsversorgung getroffen.
Zugleich erhielten die Betreuer des Projekts 50plus eine allgemeine Schulung und die AmigA-Ansprechpartner eine spezifische Schulung zum Themenfeld. So vorbereitet konnte man das „beschäftigungsorientierte Fallmanagement mit beruflicher, sozialmedizinischer und psychologischer Eingangsdiagnostik“ einführen. Wichtig dabei war es, jeden Eindruck einer Verpflichtung zum Mitmachen zu verhindern und den Angebotscharakter herauszustreichen. Deshalb war der Abschluss einer Eingliederungsvereinbarung für interessierte Arbeitslose eine notwendige Voraussetzung für die Teilnahme, sie erklärten sich damit auf freiwilliger Basis bereit, das neue Angebot über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten zu nutzen.
Die auf individueller Diagnostik beruhende bedarfsorientierte Gesundheitsförderung, kam bei der Zielgruppe offenbar gut an und sorgt für wachsende Nachfrage. „Dieses Jahr hatten wir 80 Teilnehmer, nächstes Jahr werden es voraussichtlich 160 sein“, berichtet Klemp. Sein Fazit aus mehrjähriger Erfahrung: „Förderlich ist es, die Netzwerkstrukturen der kommunalen und anderen Leistungserbringer zu nutzen und auszubauen und Arbeitsförderung und Gesundheitsförderung über Kooperationsvereinbarungen mit Leistungsträgern lokal und zentral zu verknüpfen.
Außerdem sollte man Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration mit diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen verzahnen“.
Als hemmende Faktoren identifizierte er hingegen unzureichendes Wissen und mangelnde Schulung der für Integration zuständigen Fachkräfte und zu knapp kalkulierte Projektlaufzeiten. Sind die zu kurz veranschlagt, gelingt es oft nicht, funktionierende Kooperationen und Strukturen aufzubauen, vor allem aber könne man nicht davon ausgehen, dass jeder Arbeitsloser innerhalb von sechs Monaten sein Ziel erreichen kann, arbeitsfähig gesund zu sein - und letztlich auch einen neuen Arbeitsplatz zu finden.
Die diesjährige Tagung des DNBGF-Forums „fit for work“ zeigte, dass die Gesundheitsförderung Arbeitsloser aufgrund teils langjähriger Vorarbeiten von Krankenkassen längst die Modellversuchsebene verlassen und ein umsetzungsreifes Stadium erreicht hat. Andrea Fritsche, bei der IKK Niedersachsen für Gesundheitsförderung zuständig, holte gemeinsam mit anderen Krankenkassen das unter Förderung des BKK Bundesverbandes entstandene Konzept JobFit nach Hannover. Gemeinsam schlossen die Krankenkassen eine „offene Rahmenvereinbarung“ mit dem JobCenter Hannover. Damit konnte sie den Teilnehmer des Forums zeigen, wie die „Regelversorgung“ aussehen und organisiert werden kann.
„Alles begann mit einer Anfrage der Medizinischen Hochschule Hannover zur Planung, Durchführung und Evaluation eines Projektes zur Gesundheit für Langzeitarbeitslose, an dem Landessportbund, Ärzte, Krankenkassen und das Jobcenter Hannover beteiligt sein sollten“, berichtete Fritzsche. Da der Schwerpunkt hier auf einer kompletten Neuentwicklung lag, sei das vorgeschlagene Projekt zwar lange diskutiert aber letztlich nicht umgesetzt worden. Die Gespräche hätten aber gezeigt, dass Jobcenter und gesetzliche Krankenkassen hier gemeinsame Interessen haben.
Bei der Suche nach bereits vorhandenen Konzepten stießen die Hannoveraner auf JobFit, das inhaltlich den Zielen und Möglichkeiten einer regionalen Kooperation entsprach – kein Wunder, war es doch unter Federfühung des BKK BV explizit unter diesem Gesichtspunkt entwickelt und erprobt worden. „Das Institut für Prävention und Gesundheitsförderung der Universität Duisburg-Essen und die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung stellten das Projekt und seine bisherigen Ergebnisse vor.“ Das überzeugte die Niedersachsen inhaltlich, nicht zuletzt aber lag ein Anstoß für die Übertragung in der Tatsache, dass „wir das Konzept bis auf die fachliche Schulung des Personals kostenfrei übernehmen konnten“, so Fritzsche.
Auf dieser Grundlage konnte man im ersten Schritt diverse weitere gesetzliche Krankenkassen zur regionalen Kooperation gewinnen. Dazu gehörten neben der IKK die AOK Niedersachsen (auf Ebene der Direktion), der BKK Landesverband Niedersachen Bremen sowie die Knappschaft auf Landesebene. Allein die Beteiligung der Kassen auf Landesebene verdeutliche, so Fritsche, dass offensichtlich Interesse an einer künftigen Übertragung auf weitere Regionen besteht.
Der maßgebliche zweite Schritt bestand darin, dass diese Krankenkassen gemeinsam mit dem JobCenter Hannover eine „offene“ zeitlich unbegrenzte Rahmenvereinbarung schlossen, die Modalitäten der Zusammenarbeit, Besonderheiten der Kostenübertragung sowie die Qualitätssicherung regelte. Das wiederum ermöglichte dem JobCenter eine optimale Verhandlungsposition gegenüber Anbietern der jeweiligen gesundheitsförderlichen Maßnahmen.
Angesprochen wurden ausschließlich Träger mit entsprechend „grundqualifiziertem Personal“, die mittlerweile mehr als 100 Teilnehmer in Maßnahmen des JobCenters betreuen. „Die Erfahrung zeigte allerdings, dass die Kurse trotz bester Voraussetzungen nur schleppend angenommen werden, und dass Beratungsgespräche und Bewerbung der Kurse sehr viel mehr Zeit brauchen als angenommen“, berichtete Fritzsche.
Die Herausforderung, so ihre Schlussfolgerung aus den bisherigen Erfahrungen, bestehe demnach künftig zum einen weiterhin darin, die Zielgruppe der Arbeitslosen noch gezielter – bzw. überzeugender - anzusprechen und von den Vorteilen einer regelmäßigen Teilnahme zu überzeugen. Doch diese Aufgabe ist, wie Gesundheitsförderer wissen, weder speziell niedersächsisch noch hat sie etwas mit dem Konzept JobFit zu tun. Nicht zuletzt sind die „motivierenden Gespräche“ ein Schlüssel zum Erfolg, denn Arbeitslose, gerade Langzeitarbeitslose gehören bekanntermaßen zu den „schwer erreichbaren“ Zielgruppen. Und damit ist in erster Linie nicht die physische Erreichbarkeit gemeint, sondern die Bereitschaft, gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen ohne akute Not zu verändern.
Über 70 Experten und Interessierte präsentierten und diskutierten Projekte und Praxispiele der Gesundheitsförderung für Arbeitslose und Menschen in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen
Trotz einer deutlichen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Zahl der Arbeitslosen auf einem hohen Niveau. Hier sind vor allem Langzeitarbeitslose und Arbeitslose mit einem niedrigen Bildungsniveau betroffen. Dass Arbeitslosigkeit die Gesundheit beeinträchtigt, ist inzwischen in vielen wissenschaftlichen Studien belegt worden. Deshalb bleibt Gesundheitsförderung für die Zielgruppe der arbeitslosen Menschen ein wichtiges Thema. Gesundheitliche Beeinträchtigungen vermindern die Beschäftigungsfähigkeit und die Integrationschancen. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, durch eine stärkere Verzahnung der Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik Ansätze zu finden, die Beschäftigungsfähigkeit der Betroffenen zu erhalten und zu steigern. Im Rahmen der Tagung disjährigen Tagung "Fit for Work" wurde eine vielzahl dieser Ansätze vorgestellt und diskutiert.
Einladungsflyer
Plenum
Präkarisierung des Arbeitslebens - Folien zum Vortrag von Herrn Dr. Bahemann
Das Modellprojekt JobFit NRW - Folien zum Vortrag von Frau Faryn-Wewel und Frau Roesler
Evaluationsergebnisse aus dem Modellversuch der Werkstatt Frankfurt e.V. - Folien zum Vortrag von Frau Gawlik-Chmiel
Das Modellprojekt AmigA - Folien zum Vortrag von Frau Dr. Toumi
Folgen der aktuellen Sozialgesetzgebung SGB II - Folien zum Vortrag von Herrn Marquis
Workshops
Arbeitslosigkeit trotz Fachkräftebedarf - Folien zum Vortrag von Herrn Dr. Bahemann
Teilzeitberufsausbildung - Arbeits- und Lebensperspektiven für Alleinerziehende - Folien zum Vortrag von Frau Albert
Qualitätsstandards in der Beratung Arbeitsloser - wozu raten Sie uns? - Folien zum Vortrag von Frau Dr. Toumi - Folien zum Vortrag von Frau Faryn-Wewel und Frau Roesler folgen
Beschäftigungspakt für Ältere im EN Kreis - Folien zum Vortrag von Herrn Schulze
Dies war das Thema einer Tagung des DNBGF Forums Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung, der JobAgentur EN und des BKK Bundesverbandes, die am 17. Januar 2007 in Essen mit 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattgefunden hat.
Nach Einschätzung einer IAB-Studie und zahlreichen Befunden der Arbeitslosenforschung zeichnet sich für Arbeitslose mit gesundheitlichen Einschränkungen ein Teufelskreis ab: Sie sind durch Erkrankungen, Erwerbslosigkeit und drohende Verarmung mehrfach belastet: Gesellschaftliche Stigmatisierung Selbststigmatisierung (Schuld- und Schamgefühle) und soziale Isolierung forcieren den sozialen Abstieg und erhöhen die psychischen Belastungen. Die fortdauernde Beschäftigungsunsicherheit hat Folgen wie z.B. erhöhtes Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, im Bereich der Wirbelsäule (besonders Rückenbeschwerden) und der Psyche (Ängste, Depressionen). Weiterhin selbstschädigendes Gesundheitsverhalten (z.B. Alkohol- und Medikamentenmissbrauch) und Absenkung der Lebensqualität (Partnerprobleme, Belastungen in der Familie, finanzielle Sorgen, Zukunftsängste u.s.w.). Gängige arbeitsmarktpolitische Maßnahmen beziehen trotz der wissenschaftlichen Hinweise zu weniger als 1% gesundheitsförderliche Aspekte ein. Arbeitsagenturen, ARGEn und auch die Grundsicherungsträger der Optionskommunen sehen i.d.R. Gesundheit bzw. Gesundheitsförderung nicht als Teil der ausgewiesenen Tätigkeitsprofile der für sie im Auftrag arbeitenden Beschäftigungsträger. Gesundheit als Voraussetzung für Beschäftigungsfähigkeit spielt in der Arbeit der Optionskommune Ennepe-Ruhr-Kreis seit einem größeren EU-geförderten Modellprojekt eine zentrale Rolle. Die JobAgentur EN nutzt die Möglichkeiten, die u.a. das SGB II bieten. Derzeit werden durch den Beschäftigungspakt für Ältere mehr als 250 Menschen neben der Qualifizierung durch Gesundheitsangebote unterstützt. Die JobAgentur EN des Ennepe-Ruhr-Kreises hat in Kooperation mit dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen, dem DNBGF und der Universität Dortmund Expert(inn)en und Praktiker(innen) der Beschäftigungs- und Gesundheitsförderung zu einer Tagung zum Thema Gesundheit als Voraussetzung für Beschäftigungsfähigkeit Wege aus einem Teufelskreis eingeladen. Diese Tagung mit über 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war der Auftakt für eine Serie von Aktivitäten, an deren Ende „Handlungsempfehlungen für Grundsicherungsträger und Beschäftigungsträger in Sachen Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit“ stehen werden. Die Vorträgsfolien finden Sie hier:
Gesundheit statt Arbeit? Chancen und Grenzen der Gesundheitsförderung für ältere Erwerbslose Dr. Peter Kuhnert, Universität Dortmund
Ohne Gesundheit keine Beschäftigungsfähigkeit! – Der Beschäftigungspakt für Ältere im EN-Kreis Dieter Schulze, Beschäftigungspakt für Ältere, JobAgentur EN, Schwelm
Erste Auswertungen aus dem Gesundheitsmodul des BfÄ Ulrike Kopf, Haus Theresia, Hattingen
Gesundheitesförderung im EN-Südkreis – ergebnisse einer Gesundheitswoche Iris Baeck, VHS Ennepe-Ruhr-Süd, Gevelsberg
Sozialmedizinische Begutachtung älterer Arbeitnehmer und Arbeitssuchender Dr. med. Andreas Bahemann, Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion NRW, Düsseldorf
BKK Broschüre: Gesundheitsförderung für Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohte
BKK Broschüre: Motivierende Gesundheitsgespräche für Arbeitslose
Mit 78 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand die 3. Tagung des Forums Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung am 25. September 2006 beim BKK Bundesverband in Essen statt. Unter dem Titel "Fit for Work" wurden aktuelle Projektergebnisse und Forschungsergebnisse diskutiert und präsentiert. Einladungsflyer
Präsentationen:
Präsentation Dr. Wolf Kirschner
Präsentation Dr. Ingrid Toumi
PräsentatioMonique Wewel und Bernward Brink
Präsentation Beispiel Köln
Präsentation Beispiel Brandenburg
Präsentation Beispiel Sachsen
Bewertung der Tagung durch die TeilnehmerInnen
Die zweite Tagung des Forums wurde in Kooperation mit dem regionalen Knoten für Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten NRW durchgeführt. Die Beiträge und Zusammenfassung der Diskussion finden Sie in der Tagungsdokumentation.
Laden der Tagungsdokumentation (PDF, 718 KB)
Es wurde unter anderem ein Modellprojekt zur "Gesundheitskompetenzförderung zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit Arbeitsuchender in NRW" vorgestellt. Das Ergebnis-Protokoll sowie die Präsentationen der Tagung finden Sie im Netzwerkcafé in der Download-Ecke unter "Forum Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung".
Bericht von der Tagung
Referat Dr. Kirschner und Zusatz zum Referat Kirschner (XLS)
Folien Dr. Bahemann
Folien Frau Gebauer
Folien Dr. Jansen
Folien Jan Prüßmann

Termine:
9. Februar 2012, Köln
Ruck-Zuck aus der Burnout-Zone
1. März 2012, Darmstadt
Prävention im Wandel der Arbeitswelt
Mensch - Technik - Organisation
8. März 2012, TU Berlin
Satelitenveranstaltung zum Kongress Armut und Gesundheit "Prävention wirkt"
9. und 10. März 2012, TU Berlin
17. Kongress Armut und Gesundheit - Prävention wirkt!
20.-21. März 2012, Frankfurt a. M.
Betriebliches Eingliederungsmanagement
21. und 22. März 2012, Leipzig
Messekongress „Gesundheit & Versorgung – Innovative Formen der Zusammenarbeit“
31. Mai 2012, Fulda
Gewalt gegen ältere, pflegebedürftige Menschen, eine europäiche Tagung