Burn-Out Risiko wächst, wenn soziale Bindungen am Arbeitsplatz fehlen
Das Burn-Out Risiko ist nicht nur abhängig von der individuellen Belastung und den jeweiligen Bewältigungsstrategien von Beschäftigten, sondern auch vom sozialen Klima im Betrieb. In ihrer der schwedischen Universität Karlstad vorgelegten Dissertation wies Ulla-Britt Eriksson nach, dass das Burn-Out Risiko für Personen mit schwachen sozialen Kontakten wächst und eine Verringerung dieser Kontakte auf einen drohenden Burn-Out hinweisen kann. (mehr…)
Eriksson hatte für ihre Arbeit zunächst qualitative Interviews Personen geführt, die aufgrund von Burn-Out oder ähnlicher Diagnosen lange Arbeitsunfähigkeitszeiten aufwiesen. Die auf Grundlage dieser Interviews erstellten Hypothesen wurden in zwei weiteren Befragungswellen überprüft. Deutlich wurde laut Dr. Eriksson, das den Arbeitsunfähigkeitszeiten sehr häufig Phasen vorausgingen, die aus Sicht der Betroffenen gekennzeichnet waren von einem schrittweisen Verlust positiver Gefühle, der nicht durch Kollegen oder Arbeitsumfeld kompensiert werden konnte. Diese Erkenntnis könnte nach Auffassung von Dr. Eriksson ein Ansatz für gezielte individualpräventive Maßnahmen sein. Auch auf professioneller Ebene wirken sich schwache soziale Bindungen negativ aus. Die befragten Betroffenen berichteten von fehlenden Rückmeldungen und mangelnder Anerkennung durch ihre Kollegen.
Weil sich derart isoliert fühlende Mitarbeiter einerseits häufiger krank melden als Menschen, die mit leistungsstarken und kooperativen Freunden zusammenarbeiten, sich die Problematik andererseits durch die steigende Zahl von Fehltagen zusätzlich verstärke, befinden sich die betroffenen Mitarbeiter oft in einem Teufelskreis. Die Folge laut Dr. Eriksson: „Das führt zu einem vielschichtigen Problem mit Folgen für den Einzelnen, die engsten Freunde und Verwandten, den Arbeitgeber und die Gesellschaft. Kraft, Freude und Engagement, Grundlagen für das psychische Wohlbefinden, gehen nach und nach verloren, wenn das Arbeitsumfeld dauerhaft anonym und unpersönlich bleibt.“
Dieses Problem ist in Schweden seit Anfang der 1990er Jahre zunehmend virulent, weil seitdem - im Zusammenhang mit einem Wandel in der Arbeits- und Beschäftigungspolitik - Zeitarbeitsverträge, Arbeitslosigkeit und schnell wechselnde Beschäftigungsverhältnisse zugenommen hätten und diese die Entstehung sozialer Bindungen am Arbeitsplatz behinderten, so dass aus dem Arbeitsmarktproblem nun ein medizinisches Problem geworden sei, so das Fazit der Untersuchung.
Hierzu passt auch das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität Dortmund wonach 40 Prozent der IT-Manager von Burn-out betroffen sind. Vor allem Freiberufler und Selbstständige leiden. Die Ursache dafür liege im Arbeits-Prinzip der „freien Zeiteinteilung“, was nichts mit Freiheit sondern mehr mit „arbeiten nonstop“ zutun hätte, fanden die Wissenschaftler heraus. Besonders die ständige Erreichbarkeit mache den IT-Spezialisten gesundheitlich zu schaffen, so die Dortmunder Forscher. Das, was in der Branche als hohe Flexibilität schön geredet wird, ist für Dr. Rüdiger Klatt von der Technischen Universität Dortmund nur „Selbstausbeutung“: „Vierzig Prozent der IT-Mitarbeiter stehen kurz vor dem Burn-out“, so Klatt. Die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Erkrankung habe sich seit 1979 verdreifacht. www.pragdis.de
Weitere Informationen:
Ulla-Britt Eriksson, PhD, Man är ju inte mer än människa (You Are Only Human) Telefon: +46 (0) 54 700 1646
www.vr.se

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Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt - Herausforderung für die Zukunft?
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