DNBGF
Deutsches Netzwerk
für betriebliche
Gesundheitsförderung

BKK BV veröffentlich Studie zu „Qualifizierung in BGF“:

Ein Appell für mehr Transparenz und Koordination

Zwei der wichtigsten Voraussetzungen für die Verbreitung betrieblicher Gesundheitsförderung sind erfüllt: Auf der einen Seite gibt es gute konzeptionelle Grundlagen sowie praxistaugliche Methoden und Instrumente, auf der anderen Seite wächst das Interesse von Betrieben und Verwaltungen. Bleibt die Frage, welche Anforderungen es an die Qualifikation der Personengruppen gibt, die BGF in die Betriebe tragen und dort umsetzen, und wie es um entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten steht. Hier gibt es noch erheblichen Handlungsbedarf, wie die unter Federführung von Prof. Dr. Gudrun Faller von der Hochschule Magdeburg-Stendal erstellte Studie „Stand und Entwicklungsbedarf der Qualifizierung in Betrieblicher Gesundheitsförderung“ feststellt. In der vom BKK BV beauftragten Untersuchung wird festgestellt, dass die „Vielfalt der Themen, Konzepte, Begriffe und Interessen“ den Arbeitgebern als Nachfragern die Orientierung erschwert und es sinnvoll sei, dass Qualifikationsanbieter an einheitlichen Standards zu Zielen und Qualifikationsanforderungen arbeiten. (mehr).

Auf Grundlage einer iga-Studie mit dem Titel „Harmonisierungsbedarf der  Qualifizierungsmaßnahmen im Umfeld des Betrieblichen Gesundheitsmanagements“ haben die Autorinnen und Autoren der BKK Studie zunächst umfassend die akademischen wie die nichtakademischen Qualifizierungsangebote für betriebliche Gesundheitsförderung erfasst und analysiert. Das Ergebnis ist ein in dieser Form wohl einzigartiger Überblick zu den Anbietern und Angeboten, die in der Folge unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert werden. Besondern im nicht-akademische Bereich wird differenziert nach thematischer Ausrichtung, zeitlichem Umfang, den Adressaten der Angebote, ihren Kosten, ihrer regionalen Verteilung usw.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse beschreibt und diskutiert die Studie anschließend die Möglichkeiten der Qualitätssicherung für die Qualifizierung von betrieblicher Gesundheitsförderung. Vorgestellt werden existierende Qualitätsrahmen bzw. die heute geltenden Qualitätsanforderungen und Expertenstandards. Dabei wird deutlich, dass es zwar von verschiedener Seite Modelle zur Sicherung und Entwicklung von Qualität in der BGF Qualifizierung gibt, die sich auch durchaus ergänzen. Zugleich gibt es aber zugleich Unterschiede z. B. bei der  „Definition von Rollen, Kompetenzanforderungen und korrespondierenden Qualifizierungsinhalten und –stufen“, über die die Anbieter im nächsten Schritt gemeinsam diskutieren sollten.

Denn, so das Fazit der Studie, „ein Konsens über die Kompetenzanforderungen von Akteuren der BGF“ existiere derzeit nicht. Auch die unterschiedlichen Rollen im Rahmen der BGF seien nicht klar definiert. Besonders problematisch sei es für die praktische BGF, dass die Koordinatorenfunktion nicht eindeutig beschrieben ist: Die Frage, wer dieses Gesamtmanagement übernehmen solle sei vielfach genauso ungeklärt wie Inhalt und Umfang der fachlichen und fachübergreifenden Fähigkeiten und Techniken, die diese Rolle erfordert. Schon eine Differenzierung zwischen Koordinatoren (de facto zuständig fürs gesamte Management von BGF) und Multiplikatoren, also Akteure, die die BGF aus ihrer betrieblichen Funktion heraus unterstützen, könnte eine Strukturierung der Qualifikationsangebote fördern.

Die wichtigste Aufgabe ist nach Erkenntnissen der Studie, Transparenz und Einheitlichkeit des Qualifizierungsmarktes BGF zu verbessern. Es fehlt danach weder an Qualifizierungs- (also Aus-, Fort- und Weiterbildungs-) angeboten zu BGF noch an schlüssigen Modellen zur Qualitätssicherung. Was fehlt, ist ein koordiniertes Vorgehen der verschiedenen Anbieter, eine Abstimmung über Ziele und Anforderungen und nicht zuletzt über die zu besetzenden Rollen in der Praxis. Dieses Defizit auszuräumen wäre nach Meinung der Forscher der nächste und wichtige Schritt, um Qualität und Anerkennung von BGF in Deutschland weiter zu erhöhen.




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