Frühindikatoren für Langzeit-Arbeitsunfähigkeit -
Entwicklung eines Vorhersage-Instruments für die Praxis in Betrieben und Krankenkassen
von Wolfgang Bödeker, BKK BV boedekerW@bkk-bv.de
Langzeit-Arbeitsunfähigkeit gilt als ein besonderes gesundheitspolitisches Problem, da hiermit gleichzeitig negative Auswirkungen für die Beschäftigten, die Unternehmen und die Sozialversicherungsträger verbunden sind. Langzeit-Arbeitsunfähigkeit nimmt daher einen hohen Stellenwert in der Prävention ein. Frühindikatoren der Langzeit-Arbeitsunfähigkeit würden helfen, durch gezielte Präventionsangebote für betroffene Beschäftige eine drohende Chronifizierung von Krankheiten bzw. ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben zu verhindern.
Langzeit-Arbeitsunfähigkeit betrifft nur ca. 5% aller Arbeitsunfähigkeitsfälle, bedingt aber 41 % der Arbeitsunfähigkeitstage. In 2004 entstanden hieraus für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) insgesamt 6,4 Euro Milliarden Krankengeldleistungen, ca. 3000 Euro je Fall. Langzeit-Arbeitsunfähigkeit tritt mit besonderer Häufung in Folge bestimmter Krankheiten auf. Ca. ein Drittel folgt aus Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems.
Langzeit-Arbeitsunfähigkeit hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. In der Gesamtbetrachtung indes werden konsistente Zusammenhänge mit dem Lebensalter, dem Sozialstatus sowie der Anzahl und Dauer der vorangehenden Arbeitsunfähigkeit beobachtet. Hierbei gilt, je mehr Arbeitsunfähigkeitsfälle pro Jahr auftreten, desto wahrscheinlicher ist eine Langzeit-Arbeitsunfähigkeit in den Folgejahren.
In Rahmen dieses Projektes der IGA wurden auf der Grundlage einer Stichprobe von Versicherten verschiedene statistische Modelle abgeleitet und deren Vorhersagekraft für eine künftige Langzeit-Arbeitsunfähigkeit geprüft. Geschlechtsspezifisch wurden jeweils drei Modelle abgeleitet. Ein maximales Modelle bezieht dabei alle Informationen zur Häufigkeit und Dauer der Arbeitunfähigkeit der vorangegangenen 4 Jahre ein. Ein minimales Modell nur die Informationen eines Jahres und ein optimal reduziertes Modell berücksichtigt mehrere, aber nicht alle Jahre. Im statischen Sinne verfügen alle abgeleiteten Modelle über eine gute Vorhersagekraft.
Die abgeleiteten Modelle wurden in ein Excel-Programm überführt, das in der Praxis von Betrieben und Kassen zur Vorhersage der Langzeit-Arbeitsunfähigkeit leicht angewendet werden kann. Die Eingabemaske erhebt neben dem Geschlecht, Alter und Ausbildungstand auch die Informationen über das AU-Geschehen in den letzten vier Jahren. Aus diesen Informationen wird anschließend die Wahrscheinlichkeit für eine künftige Langzeit-Arbeitsunfähigkeit geschätzt. Abhängig davon, welche Felder in der Eingabemaske ausgefüllt werden, wird das beste geeignete Modell ausgewählt. Es müssen also nicht alle Informationen verfügbar sein bzw. erinnert werden.
Das Programm gibt nicht nur der Wahrscheinlichkeit für Langzeit-Arbeitsunfähigkeit an, sondern setzt diese auch in Relation zur Wahrscheinlichkeit der entsprechenden Alters- und Geschlechtsgruppe. Das sich dadurch ergebende relative Risiko zeigt an, um wie viel höher oder geringer das Risiko für eine künftige Langzeit-Arbeitsunfähigkeit bei der betrachteten Person im Vergleich zu den Personen aus der gleichen Alters- und Geschlechtsgruppe ist. Schließlich werden Maße zur Beschreibung der Vorhersagekraft sowie der Gefährdungsgrad für eine Langzeit-Arbeitsunfähigkeit in einer Ampel dargestellt.
IGA-Report 14 und das Programm zur Vorhersage von Langzeit-AU sind auf der Website zu finden

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