DNBGF
Deutsches Netzwerk
für betriebliche
Gesundheitsförderung

Mobile Arbeiter – Erschöpfte Wanderer

Wenn über die Gesundheitschancen von Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen wird, sind in der Regel Einwanderer und deren in Deutschland geborene Nachkommen gemeint, für die das Kapitel „Migration“ meist abgeschlossen ist. Daneben gibt es aber als Folge der Globalisierung eine neue Gruppe „echter Migranten“, oft hoch qualifizierte Fachkräfte, die von ihren Arbeitgebern zum Arbeiten ins Ausland geschickt werden. Überraschend ist, dass offenbar auch diese Gruppe besonderen Gesundheitsrisiken ausgesetzt ist, wie der Arbeitswissenschaftler Dr. Rüdiger Klatt und die Kulturwissenschaftlerin Silke Steinberg vermuten. (mehr)..

Die Zahl der „Mobile Intelligent Worker“ hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, und je mehr Unternehmen ihre Aktivitäten in andere Länder ausdehnen, desto mehr dürfte sie steigen. Die moderne – und materiell meist gut abgesicherte – Art der Wanderarbeit ist aus Sicht vieler Arbeitnehmer durchaus attraktiv: In Deutschland liegt die Zahl der motivierten und qualifizierten Mitarbeiter, die bereit sind aus beruflichen Gründen in ein anderes Land zu ziehen, mit 26 Prozent am höchsten – und 10 Prozent über dem EU-Durchschnitt.

Nach Meinung von Steinberg und Klatt werden dabei jedoch die möglichen Schwierigkeiten vernachlässigt, denn Auslandsarbeit heißt eben nicht nur, den Lebenslauf um „internationale Erfahrungen“ anzureichern oder da zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Sie sehen, dass auch qualifizierte Kräfte auf temporären Auslandeinsatz hohen psychische Belastungen ausgesetzt sind, die bis zu Erschöpfung und massiven Gefährdungen der Gesundheit führen können. Obwohl es sich bei dem Personenkreis anders als bei den hier eingewanderten Menschen weder um sozial Benachteiligte noch schlecht gebildete oder ausgebildete Menschen handelt

Zu den arbeitsbedingten Belastungen und gesundheitlichen Risiken gehören nach Meinung der Experten Verständigungsprobleme, kulturelle Unterschiede, andere Unternehmens- und Arbeitskulturen, unklare Entscheidungsstrukturen, aber auch Vereinsamung und Isolation. Vorbereitungskurse in Form von Sprachunterricht und interkulturellen Trainings hätten sich als wenig effektiv erwiesen, um die Belastungen zu verringern bzw. ihnen vorzubeugen. Deshalb wird die zunächst so attraktive Mobilität von den Betroffenen bald nicht mehr als Bereicherung der persönlichen und beruflichen Entwicklung wahr genommen, sondern als eine Belastung, als „Muss“, das zu den normalen Anforderungen der Arbeit hinzukommt.

Besonders problematisch ist aus Sicht der Autoren, die sich in der Fachpublikation praeview mit dem Thema auseinandergesetzt haben, dass diese Problematik wenn nicht unerkannt so doch in der Fachwelt unberücksichtigt bleibt. Die Belastungen und Beanspruchungen von „transnational tätigen Arbeitnehmern“ seien kaum Gegenstand der Forschung, obwohl deutsche Unternehmen vergleichsweise viele Mitarbeiter entsenden.

Die Autoren regen an, die notwendigen Forschungen zur gesundheitlichen Belastung von mobilen „Wissensarbeitern“ zu intensivieren, fordern dabei aber eine tatsächliche interkulturelle Basis für eine europäische Arbeitsforschung, da es fraglich sei, ob die gegenwärtigen nationalen Konzepte und Forschungspardigmen ausreichend für eine hilfreiche wissenschaftliche Betrachtung des Themas seien. Mehr zu den Projekten erfahren Sie auf der Wabsite www.pragdis.de

 

 

 

 




Seite drucken      nach oben