Wandel der Arbeitswelt

Wandel in der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt ist einem ständigen Wandel unterworfen. Geprägt durch Globalisierung, Technologisierung, weltweite Wirtschaftskrisen, strukturelle Veränderungen und demografische Umbrüche sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Der Dienstleistungssektor wächst, Arbeitsmodelle verändern sich ständig, Grenzen zwischen Job und Privatleben zerfließen, steigende Lernanforderungen und hohe Flexibilität sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Arbeit kann durch solche Faktoren schnell zur Belastung werden. Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung wirken dem entgegen. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass betriebliche Gesundheitsförderung einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit von Beschäftigten leistet und auch aus ökonomischer Sicht für Unternehmen sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sinnvoll ist.

Die Auswirkungen des fortlaufenden Wandels in der Arbeitswelt sind so unterschiedlich wie die Handlungsfelder betrieblicher Gesundheitsförderung selbst. Demografie, psychische Belastungen, Führungsstil von Vorgesetzten, Mobilität oder die Balance der verschiedenen Lebensbereiche sind nur einige Facetten, die das Netzwerk des DNBGF beschäftigen und im Folgenden kurz vorgestellt werden. Einen umfassenderen Einblick in die Themenfelder bietet die DNBGF-Materialien-Datenbank. Hier können die Nutzerinnen und Nutzer nach Themen filtern oder einfach nach Stichworten suchen. Ein regelmäßiger Blick in die Datenbank lohnt sich, denn sie wird regelmäßig mit neuen, aktuellen Publikationen ergänzt.

 

Demografie als große Herausforderung

Die demographische Entwicklung stellt Unternehmen und soziale Sicherungssysteme in Deutschland vor neue Herausforderungen: in den nächsten Jahrzehnten wird der Anteil älterer Menschen am Erwerbsleben deutlich steigen, während die Beschäftigungsrate jüngerer Arbeitskräfte spürbar sinkt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über 45 Jahre gehören heutzutage oft (und zu Unrecht) zum "alten Eisen" und werden aussortiert. Sie werden in Zukunft jedoch die Mehrheit in den Belegschaften stellen. Dabei nehmen mit steigendem Alter auch gesundheitliche Probleme und Belastungen zu. Gleichzeitig werden deutsche Unternehmen künftig mehr denn je auf qualifizierte, motivierte und vor allem gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen sein. Gefragt sind darum neue Strategien, mit denen Beschäftigte länger in den Arbeitsprozess einbezogen und die Potentiale älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besser genutzt werden können. „Älter werden“ ist nicht gleichbedeutend mit einer verminderten Leistungsfähigkeit. Vielmehr binden ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem großen Erfahrungswissen und den langjährig erworbenen Fähigkeiten bedeutende und nur schwer ersetzbare Potenziale in einem Unternehmen. Dies zeigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Für Betriebe wird es umso wichtiger sein, die Arbeitsbedingungen alterns- und altersgerecht zu gestalten. Das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung befasst sich nicht nur in der Arbeit seiner Foren mit Strategien und Aktionen, die Beschäftigten einen gesunden und leistungsfähigen Verbleib bis ins Rentenalter ermöglichen. Auch in der Materialien-Datenbank sind zahlreiche Publikationen zum Thema hinterlegt, die als Informationsquellen dienen können.

Stress und psychische Belastung im Beruf

Stress gehört zum Alltag. Er kann zur Leistungssteigerung anspornen und ist eine wichtige Quelle für Erfolgserlebnisse. Jedoch ist das individuelle Gleichgewicht zwischen Anspannung und Erholung in der heutigen Zeit oft gestört – nicht zuletzt auch aufgrund steigender Anforderungen im Beruf.  Dennoch werden aus einem betrieblichen Kontext resultierende psychische Fehlbelastungen und Störungen heute immer noch nicht genügend beachtet und oftmals „verschleppt“. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verlieren ihre Arbeitsfähigkeit grade deshalb, weil die Überbelastung im Job zu spät oder gar nicht erkannt wird, keine Unterstützung oder keine Behandlung erfolgt. Nicht selten steht am Ende eines solchen Prozesses die Diagnose „Burnout“. Der teils schleichende und über Jahre andauernde Produktivitätsverlust verursacht für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Regel mehr Kosten, als eine rechtzeitige Behandlung oder prophylaktische Maßnahmen. Im Handlungsfeld psychischer Gesundheit hat betriebliche Gesundheitsförderung daher vor allem das Ziel, psychischen Fehlbelastungen vorzubeugen und die psychische Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv zu beeinflussen oder wiederherzustellen. So unterschiedlich die Quellen psychischer Belastungen sind, so verschieden können auch die Lösungswege sein, um betrieblichem Stress entgegenzuwirken. In der Materialien-Datenbank des DNBGF sind umfangreiche Praxishilfen, Handbücher, Analysen und Broschüren bereit gestellt, die sich diesem Thema widmen. 

Gesunde Führung für ein gesundes Arbeitsklima

Führungskräfte gestalten die Arbeitsbedingungen maßgeblich mit und haben einen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsatmosphäre. Sie verteilen Aufgaben, organisieren Arbeitsabläufe, sind mitverantwortlich für die Kommunikation und haben nicht selten direkten Einfluss auf die Beurteilung und Karrieren der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ob bewusst oder unbewusst, Führungskräfte erzeugen positive und negative Stimmungen: Ärger oder Freude, Leistungsbereitschaft oder Resignation, Herausforderungs- oder Bedrohungsgefühle. So ist es kaum verwunderlich, dass Führungsverhalten einen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsmoral und letztlich auch auf die psychische Gesundheit der Belegschaft hat. Geringe Wertschätzung oder übermäßige Kontrolle belasten. Nachlassende Motivation, sinkende Arbeitsmoral, ein erhöhter Krankenstand bis zum vorzeitigen Austritt aus dem Arbeitsleben können die Folgen sein. Wertschätzung und Unterstützung, gesundheitsgerechte Gestaltung der Arbeit und die Motivation zu gesundheitsbewusstem Verhalten durch die eigene Vorbildfunktion gehören zu den zentralen Einflussebenen von Führungspersonen. Zugleich sollten Führungskräfte nicht nur als Vermittlerinnen und Vermittler von Gesundheit gesehen werden, sondern auch als Zielgruppe selbst. Denn besonders Führungskräfte haben mit hohem Arbeitsaufkommen und ständigem Leistungsdruck zu kämpfen.

Mobilität und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Ein schnelles Transportwesen und neue Informations- und Kommunikationstechnologien machen das Arbeiten auch räumlich immer flexibler. In vielen Branchen können Berufstätige ihre Arbeit überall und jederzeit ausüben. Mobilität gehört geradezu selbstverständlich zum Alltag, etwa für Pendlerinnen und Pendler, Dienstreisende oder für Personen, deren Arbeit ohnehin räumliche Flexibilität erfordert. Doch ständige Erreichbarkeit, ein erhöhtes Unfallrisiko durch Reisen, chronische Zeitknappheit oder weniger Raum für Privates wirken oftmals belastend auf mobile Berufstätige. Betriebliche Gesundheitsförderung will jedoch nicht auf Mobilität ausgerichtete Arbeit verhindern, sondern sie gesünder und familienfreundlicher gestalten. Beispielsweise können durch Förderung von Mobilitätskompetenzen und einer gesundheitsfördernden Gestaltung der Arbeit Belastungen nachweislich reduziert werden.          

Neben der beruflichen Situation hat auch das Privatleben einen starken Einfluss auf Gesundheit. In Zeiten, in denen die Grenzen von Arbeit und Privatem immer mehr verwischen, gewinnen Fragen der Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf in Politik und Wirtschaft zunehmend an Bedeutung. Immer mehr gut ausgebildete Frauen stoßen auf den Arbeitsmarkt, Männer äußern vermehrt den Wunsch nach engagierter Vaterschaft und Singles beanspruchen mehr Raum für ihr Privatleben. Ein Ungleichgewicht zwischen Arbeit- und Privatleben stellt nicht nur eine Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit oftmals negativen gesundheitlichen Folgen dar. Studien haben gezeigt, dass dieses Ungleichgewicht auch negative Auswirkungen auf Motivation, Produktivität und Arbeitsmoral haben kann und damit die Erfolgsrechnungen der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers beeinträchtigt. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind somit wichtig für den Arbeitsalltag – sowohl für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch ihre Angestellten. Sie fallen meist in die Bereiche Arbeitsgestaltung, Personal- und Gesundheitspolitik und dienen in erster Linie der Flexibilisierung der Arbeit. Auch das DNBGF setzt sich für einen gesunden Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben ein - zum Wohle der Gesundheit der Beschäftigten und der Organisationen.