Wandel der Arbeitswelt

Wandel in der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt ist einem ständigen Wandel unterworfen. Geprägt durch das derzeitige Pandemiegeschehen, aber auch Globalisierung, Technologisierung, weltweite Wirtschaftskrisen, strukturelle Veränderungen und demografische Umbrüche sind Arbeitnehmende heute immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Der Dienstleistungssektor wächst, Arbeitsmodelle verändern sich ständig, Grenzen zwischen Job und Privatleben zerfließen, steigende Lernanforderungen und hohe Flexibilität sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Arbeit kann durch solche Faktoren schnell zur Belastung werden. Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung wirken dem entgegen. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass betriebliche Gesundheitsförderung einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit von Beschäftigten leistet und auch aus ökonomischer Sicht für Unternehmen sowie Arbeitgebende sinnvoll ist.

Die Auswirkungen des fortlaufenden Wandels in der Arbeitswelt sind so unterschiedlich wie die Handlungsfelder betrieblicher Gesundheitsförderung selbst. Demografie, psychische Belastungen, Führungsstil von Vorgesetzten, Mobilität oder die Balance der verschiedenen Lebensbereiche sind nur einige Facetten, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.

Demografie als Herausforderung

Die demografische Entwicklung stellt Unternehmen und soziale Sicherungssysteme in Deutschland vor neue Herausforderungen: In den nächsten Jahrzehnten wird der Anteil älterer Menschen am Erwerbsleben deutlich steigen, während die Beschäftigungsrate jüngerer Arbeitskräfte spürbar sinkt. Mitarbeitende über 45 Jahre gehören heutzutage oft (und zu Unrecht) zum "alten Eisen" und werden aussortiert. Sie werden in Zukunft jedoch die Mehrheit in den Belegschaften stellen. Dabei nehmen mit steigendem Alter auch gesundheitliche Probleme und Belastungen zu. Gleichzeitig werden deutsche Unternehmen künftig mehr denn je auf qualifizierte, motivierte und gesunde Mitarbeitende angewiesen sein. Gefragt sind darum neue Strategien, mit denen Beschäftigte länger in den Arbeitsprozess einbezogen und die Potentiale älterer Arbeitnehmender besser genutzt werden können. „Älter werden“ ist nicht gleichbedeutend mit einer verminderten Leistungsfähigkeit. Vielmehr binden ältere Mitarbeitende mit ihrem großen Erfahrungswissen und den langjährig erworbenen Fähigkeiten bedeutende und nur schwer ersetzbare Potenziale in einem Unternehmen. Dies zeigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Für Betriebe wird es umso wichtiger sein, die Arbeitsbedingungen alterns- und altersgerecht zu gestalten.

Stress und psychische Belastung im Beruf

Stress gehört zum Alltag. Er kann zur Leistungssteigerung anspornen und ist eine wichtige Quelle für Erfolgserlebnisse. Jedoch ist das individuelle Gleichgewicht zwischen Anspannung und Erholung in der heutigen Zeit oft gestört – nicht zuletzt auch aufgrund steigender Anforderungen im Beruf.  Dennoch werden aus einem betrieblichen Kontext resultierende psychische Fehlbelastungen und Störungen heute immer noch nicht genügend beachtet und oftmals „verschleppt“. Viele Arbeitnehmende verlieren ihre Arbeitsfähigkeit gerade deshalb, weil die Überbelastung im Job zu spät oder gar nicht erkannt wird, keine Unterstützung oder keine Behandlung erfolgt. Nicht selten steht am Ende eines solchen Prozesses die Diagnose „Burnout“. Der teils schleichende und über Jahre andauernde Produktivitätsverlust verursacht für die Arbeitgebenden in der Regel mehr Kosten als eine rechtzeitige Behandlung oder prophylaktische Maßnahmen. Im Handlungsfeld psychischer Gesundheit hat betriebliche Gesundheitsförderung daher vor allem das Ziel, psychischen Belastungen vorzubeugen und die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden positiv zu beeinflussen oder wiederherzustellen. So unterschiedlich die Quellen psychischer Belastungen sind, so verschieden können auch die Lösungswege sein, um betrieblichem Stress entgegenzuwirken.

Gesunde Führung für ein gesundes Arbeitsklima

Führungskräfte gestalten die Arbeitsbedingungen maßgeblich mit und haben einen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsatmosphäre. Sie verteilen Aufgaben, organisieren Arbeitsabläufe, sind mitverantwortlich für die Kommunikation und haben nicht selten direkten Einfluss auf die Beurteilung und Karrieren der Mitarbeitenden. Ob bewusst oder unbewusst, Führungskräfte erzeugen positive und negative Stimmungen: Ärger oder Freude, Leistungsbereitschaft oder Resignation, Herausforderungs- oder Bedrohungsgefühle. So ist es kaum verwunderlich, dass Führungsverhalten einen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsmoral und letztlich auch auf die psychische Gesundheit der Belegschaft hat. Geringe Wertschätzung oder übermäßige Kontrolle belasten. Nachlassende Motivation, sinkende Arbeitsmoral, ein erhöhter Krankenstand bis zum vorzeitigen Austritt aus dem Arbeitsleben können die Folgen sein. Wertschätzung und Unterstützung, gesundheitsgerechte Gestaltung der Arbeit und die Motivation zu gesundheitsbewusstem Verhalten durch die eigene Vorbildfunktion gehören zu den zentralen Einflussebenen von Führungspersonen. Zugleich sollten Führungskräfte nicht nur als Vermittelnde von Gesundheit gesehen werden, sondern auch als Zielgruppe selbst. Denn besonders Führungskräfte haben mit hohem Arbeitsaufkommen und ständigem Leistungsdruck zu kämpfen.

Mobilität und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Ein schnelles Transportwesen und neue Informations- und Kommunikationstechnologien machen das Arbeiten auch räumlich immer flexibler. In vielen Branchen können Berufstätige ihre Arbeit überall und jederzeit ausüben. Mobilität gehört gerade in der heutigen Zeit fast selbstverständlich zum Alltag, etwa für Pendelnde, Dienstreisende oder für Personen, deren Arbeit ohnehin räumliche Flexibilität erfordert. Doch ständige Erreichbarkeit, ein erhöhtes Unfallrisiko durch Reisen, chronische Zeitknappheit oder weniger Raum für Privates wirken oftmals belastend auf mobile Berufstätige. Betriebliche Gesundheitsförderung will auf Mobilität ausgerichtete Arbeit nicht verhindern, sondern sie gesünder und familienfreundlicher gestalten. Beispielsweise können durch Förderung von Mobilitätskompetenzen und einer gesundheitsfördernden Gestaltung der Arbeit Belastungen nachweislich reduziert werden.          

Neben der beruflichen Situation hat auch das Privatleben einen starken Einfluss auf Gesundheit. In Zeiten, in denen die Grenzen von Arbeit und Privatem immer mehr verwischen, gewinnen Fragen der Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf in Politik und Wirtschaft zunehmend an Bedeutung. Immer mehr gut ausgebildete Frauen erobern den Arbeitsmarkt, Männer äußern vermehrt den Wunsch nach engagierter Vaterschaft und Singles beanspruchen mehr Raum für ihr Privatleben. Ein Ungleichgewicht zwischen Arbeit- und Privatleben stellt nicht nur eine Belastung der Mitarbeitenden mit oftmals negativen gesundheitlichen Folgen dar. Studien haben gezeigt, dass dieses Ungleichgewicht auch negative Auswirkungen auf Motivation, Produktivität und Arbeitsmoral haben kann. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind somit wichtig für den Arbeitsalltag – sowohl für Arbeitgebende als auch ihre Angestellten. Sie fallen meist in die Bereiche Arbeitsgestaltung, Personal- und Gesundheitspolitik und dienen in erster Linie der Flexibilisierung der Arbeit.