Wie zufrieden, leistungsfähig sowie sozial und gesellschaftlich eingebunden wir sind, hängt eng mit unserer psychischen Gesundheit zusammen. Sie bildet eine wesentliche Grundlage unseres Arbeits- und Lebensalltags. Angesichts tiefgreifender Veränderungen der Arbeitswelt durch Digitalisierung, Fachkräftemangel und globale Krisen stehen Beschäftigte und Arbeitgebende zugleich vor immer neuen Herausforderungen. Hier setzte das diesjährige Präventionsforum thematisch an.
Unter dem Titel „Psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt – gemeinsam schützen und stärken“ fand am 23. Juni das elfte Präventionsforum im Auftrag der Träger der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) im Umweltforum in Berlin statt.
Psychische Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Bereits in den Grußworten wurde deutlich, dass psychische Gesundheit nicht eine individuelle, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderung ist. Simone Borchardt, neue Präsidentin der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung e.V. und Mitglied des Deutschen Bundestages, betonte die Bedeutung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen und eines präventiven Ansatzes, der die Entstehung psychischer Erkrankungen möglichst früh verhindert. Lilian Tschan, Staatsekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), verwies auf die weitreichenden Folgen psychischer Erkrankungen für Beschäftigte, Unternehmen und die sozialen Sicherungssysteme und sprach sich für eine stärkere Entstigmatisierung sowie die Stärkung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements aus. Auch Dr. Stephan Fasshauer, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, machte auf die erheblichen gesellschaftlichen und volkwirtschaftlichen Auswirkungen psychischer Erkrankungen aufmerksam. Vor dem Hintergrund zunehmender Belastungen warb er für eine stärkere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger sowie für einen stärkeren Fokus auf die Qualität und Wirksamkeit präventiver Maßnahmen.
Arbeitsbedingungen, Digitalisierung und KI prägen die psychische Gesundheit von Beschäftigten zunehmend
Einen fundierten Überblick über die Zusammenhänge von „Psyche und Gesundheit bei der Arbeit“ sowie aktuelle Erkenntnisse gab Dr. Uta Wegewitz, Fachbereichsleiterin „Arbeit und Gesundheit“ bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die als Institution auch im DNBGF-Partner:innenkreis vertreten ist. Sie stellte aktuelle Daten vor und zeigte auf, dass insbesondere junge Beschäftigte und Frauen von psychischen Belastungen betroffen sind. Als wichtige Einflussgrößen nannte sie unter anderem Führung, Handlungsspielräume, Arbeitsintensität und Arbeitszeit. Gleichzeitig sei ein positiver Trend erkennbar: Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung und des Betrieblichen Eingliederungsmanagements würden zunehmend in den Betrieben verankert.
Prof. Dr. Daniel Thiemann, Institute for Business Administration and Leadership der Technische Hochschule Köln, richtete den Blick auf die Auswirkungen der Digitalisierung. Diese könne Beschäftigte zwar entlasten und ihre Autonomie stärken, zugleich aber auch neue Belastungen erzeugen. Technostress entstehe beispielsweise durch ständige Erreichbarkeit, hohe Veränderungsdynamik oder den Umgang mit komplexen und intransparenten KI-Systemen. Eine gesundheitsförderliche Gestaltung digitaler Arbeit erfordere daher sowohl verhaltens- als auch verhältnispräventive Maßnahmen.
Nachhaltige Prävention braucht beides: die Stärkung individueller Ressourcen und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen – sowie eine enge Zusammenarbeit aller Akteure
Aufbauend auf diesen Impulsen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der NPK gemeinsam mit zentralen Akteurinnen und Akteuren der Gesundheitsförderung und Prävention, des Betrieblichen Gesundheitsmanagements sowie der betrieblichen Praxis über Rahmenbedingungen und Lösungsansätze, um Risiken vorzubeugen und die psychische Gesundheit nachhaltig zu stärken.
Als wichtige Erfolgsfaktoren zur Stärkung psychischer Gesundheit wurden aus den verschiedenen Foren die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen, die Gesundheitskompetenz von Führungskräften, qualifizierte betriebliche Ansprechpersonen sowie niedrigschwellige Unterstützungsangebote genannt. Man war sich zudem einig, dass psychische Gesundheit insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen stärker adressiert werden muss. Eine wesentliche Erkenntnis des Präventionsforums war dabei, dass nachhaltige Prävention nur gelingt, wenn individuelle Gesundheitskompetenz und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen gemeinsam gestärkt werden. Zudem wurde hervorgehoben, wie wichtig dabei die Zusammenarbeit und Vernetzung der Akteure im Feld des Betrieblichen Gesundheitsmanagements ist.
In diesem Sinne ist auch das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF) eine relevante Struktur. Das Netzwerk setzt sich für die Verbesserung der Kooperation von Praxis, Wissenschaft und Politik im Feld der BGF ein und fördert dabei sowohl den bundesweiten Austausch von Akteurinnen und Akteuren sowie die regionale Vernetzung. Als zentrales Handlungsfeld der Betrieblichen Gesundheitsförderung wird die mentale bzw. psychische Gesundheit thematisch immer wieder aufgegriffen.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen bieten die Mitglieder des DNBGF-Partner:innenkreises:
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Themenschwerpunkt „Psychische Gesundheit“ im Rahmen des Programms „ARBEIT: SICHER + GESUND“ (ASUG): Psychische Gesundheit - BMAS - Arbeit: Sicher+Gesund
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Präventionsguide Psyche – Überblick über die vielfältigen (meist kostenlosen) Angebote der verschiedenen Sozialversicherungsträger
Mehr zum Thema finden Sie auch auf unserer DNBGF-Webseite:
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Passende Folge zum Nachschauen in der DNBGF-Online-Reihe: DNBGF: Dokumentation der DNBGF Online-Reihe
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Passende Materialien auf der DNBGF-Webseite: DNBGF: Materialien zur Betrieblichen Gesundheitsförderung